Ein Rückzugsort zum Schreiben
Raum schaffen für Konzentraion

Penny Martin, Chefredakteurin des viel gepriesenen Frauenmagazins The Gentlewoman, wohnt mit ihrem Mann in einer ruhigen Straße im Südwesten Londons. Hier verbringt sie einen Teil der Woche, um abseits des Trubels in der Redaktion im Zentrum Londons an ihren persönlichen Projekten zu arbeiten.

Nach dem Auszug aus ihrem früheren Zuhause wünschte sich Penny „einen glücklichen Ort zum Arbeiten, denn die Zeit, die ich hier verbringee, ist recht einsam und von Deadlines gerahmt, also wollte ich etwas gestalten, das sich gutgelaunt und leicht anfühlt.” Um das Gefühl der Isolation beim Schreiben zu lindern, hat Penny ihren Schreibtisch zum Fenster hin ausgerichtet. „Meine besten Gedanken habe ich in Geprächen – ganz selten beim einsamen Nachdenken. Der Blick aus dem Fenster auf die Häuser anderer Menschen vermittelt mir etwas Soziales und kreiert eine bestimmte Stimmung. Es ist faszinierend, wie schutzlos sich die Menschen zeigen – man sieht relativ viele nackte Oberkörper und Barbecues auf den Dächern. Die unterschiedlichen Distanzen und der wechselnde Fokus erzeugen eine Form der Abstraktion, wenn ich mich konzentriere. Ähnlich wie der Blick gen Himmel, mit dem man versucht, den Kopf frei zu bekommen und sich zu fokussieren.“

Ihre Regale beherbergen eine Sammlung von Schallpatten, von denen Penny viele nach dem Tod ihres jüngeren Bruders Ryan geerbt hat. Sie erzählt offen davon, wie sie beide das gleiche Musikgeschäft in Glasgow besuchten und denselben Musikgeschmack teilten. Mit einer Geste in Richtung der Kassetten im Regal sagt Penny: „Einige der Mixtapes dort oben hat er für mich gemacht. Später wurden es gebrannte CDs und schließlich Spotify Playlists. Ich nehme an, die meisten Leute würden einem heute einfach eine Musikdatei mailen, aber das ist einfach nicht das geiche wie eine liebevoll aufgenommene Kassette – die Tapes haben einen großen sentimentalen Wert für mich.”

Vor ihrer Verlagskarriere war Penny als Kuratorin tätig. Sie gibt zu, absolut kein räumliches Bewusstsein zu haben: „Etwas in 2D für eine Ausstellung zu erstellen, ist kein Problem, aber 3D überfordert mich komplett. Genauso habe ich kein Problem mit Putzen, aber kämpfe mit Ordnung. Es ist wie mit den Logikaufgaben in der Fernsehshow Krypton Factor – den quadratischen Stöpsel in das quadratische Loch bringen. Ich schaffe es einfach nicht, Dinge sinnvoll und einfach zu ordnen. Aber obwohl ich so chaotisch bin, hilft mir Vitsœ, weil ich instinktiv weiß, wo die Dinge ihren Platz finden. Ich weiß immer, wo etwas hingehört. Wenn man einmal mit dem Regalsystem gelebt hat, gibt es kein Zurück mehr.“

Penny kämpft mit ihrer wachsenden Bibliothek. “Ich habe mir fest vorgenommen, meine Regale auszusortieren. Ich habe angefangen, alle Bücher zu lesen, die die Leute mir im Laufe der Jahre geschenkt haben. Im Moment bin ich in einer echten Belletristik-Phase - das ist selten, weil die Arbeit bei einer Zeitschrift dazu fürht, dass man vor allem die journalistischen Texte anderer Leute liest. Mein Ziel ist es, alles zu lesen, was ich bislang nicht geschafft habe, damit ich wieder von vorne beginnen kann. Es ist ein unendlicher Prozess …

Manchmal schaue ich mir meine Bibliothek an und frage mich, ob diese Bücher etwas über mich aussagen. Da steht eine seltsame Mischung an Titeln – die über Fußball, Karl Marx und Mao gehören meinem Mann Barry, nicht mir! Ich mag die Idee, nur begrenzt Platz zu haben, um Dinge aufzuheben. Also genieße ich die natürlichen Grenzen eines Vitsœ Regals. Es ist ein zurückhaltendes Rückgrat für unsere Sammlungen, das hinter den Dingen verschwindet, die es trägt – ein wandelbares Design-Statement, von steter, leiser Eleganz.”