Dieter Rams: Zehn Thesen für gutes Design

In den späten 70er Jahren des letzten Jahrhunderts machte sich Dieter Rams zunehmend Sorgen um den Zustand einer Welt, die er als „eine undurchschaubare Verwirrung von Formen, Farben und Geräuschen“ empfand.

Im Bewusstsein, dass auch er zu dieser Welt beitrug, stellte er sich eine wichtige Frage:

Ist mein Design gutes Design?

Er formulierte zehn Anforderungen, denen gutes Design seiner Meinung nach gerecht werden müsse. (Manchmal werden sie auch als die „Zehn Gebote“ bezeichnet.)

Hier sind sie.

 
Vitsœs Designer Dieter Rams, Foto: Abisag Tüllmann
Radio-Phono-Kombination TP 1, 1959, von Dieter Rams für Braun
 

Gutes Design
ist innovativ

Die Möglichkeiten für Innovation sind längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwicklung bietet immer wieder neue Ausgangspunkte für zukunftsfähige Gestaltungskonzepte, die den Gebrauchswert eines Produktes optimieren. Dabei entsteht innovatives Design stets im Zusammenschluss mit innovativer Technik und ist niemals Selbstzweck.

Elektrische Zitruspresse MPZ 21, 1972, von Dieter Rams und Jürgen Greubel für Braun
 

Gutes Design macht ein Produkt brauchbar

Man kauft ein Produkt, um es zu benutzen. Es soll bestimmte Funktionen erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende psychologische und ästhetische Funktionen. Gutes Design optimiert die Brauchbarkeit und lässt alles unberücksichtigt, was nicht diesem Ziel dient oder ihm gar entgegensteht.

Radio Tischsuper RT 20, 1961, von Dieter Rams für Braun
 

Gutes Design
ist ästhetisch

Die ästhetische Qualität eines Produktes ist integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn Geräte, die man täglich benutzt, prägen das persönliche Umfeld und beeinflussen das Wohlbefinden. Schön sein kann aber nur, was gut gemacht ist.

Weltempfänger T 1000, 1963, von Dieter Rams für Braun
 

Gutes Design macht ein Produkt verständlich

Es verdeutlicht auf einleuchtende Weise die Struktur des Produkts. Mehr noch: Es kann das Produkt zum Sprechen bringen. Im besten Fall erklärt es sich dann selbst.

Tischfeuerzeug T 2, 1968, von Dieter Rams für Braun
 

Gutes Design
ist unaufdringlich

Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werkzeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte deshalb neutral sein, die Geräte zurücktreten lassen und dem Menschen Raum zur Selbstverwirklichung geben.

Lautsprecher L 450, Tonbandgerät TG 60, Steuerkonsole TS 45, 1962–64, von Dieter Rams für Braun
 

Gutes Design
ist ehrlich

Es lässt ein Produkt nicht innovativer, leistungsfähiger, wertvoller erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Es versucht nicht, den Verbraucher durch Versprechen zu manipulieren, die es dann nicht halten kann.

Sesselprogramm 620, 1962, von Dieter Rams für Vitsœ
 

Gutes Design
ist langlebig

Es vermeidet, modisch zu sein, und wirkt deshalb nie antiquiert. Im deutlichen Gegensatz zu kurzlebigem Mode-Design überdauert es auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft lange Jahre.

Taschenrechner ET 66, 1987, von Dietrich Lubs für Braun
 

Gutes Design
ist konsequent bis ins letzte Detail

Nichts darf der Willkür oder dem Zufall überlassen werden. Gründlichkeit und Genauigkeit der Gestaltung sind letztlich Ausdruck des Respekts dem Verbraucher gegenüber.

Regalsystem 606, 1960, von Dieter Rams für Vitsœ
 

Gutes Design
ist umwelt­freundlich

Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Es bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Produktgestaltung ein.

Lautsprecher L 2, 1958, von Dieter Rams für Braun
 

Gutes Design
ist so wenig Design wie möglich

Weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten.

Zurück zum Puren, zum Einfachen!

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