Von Büchern umgeben
Céline Leterme und Jon Dowling,
Mitbegründer von Counterprint Books

Von: Leanne Cloudsdale

Fotos: Kasia Bobula

Für Céline Leterme und Jon Dowling sind Bücher mehr als nur Druckerzeugnisse. Sie sind Begleiter – die ihr Zuhause gefüllt, ihre Karrieren geprägt und sie zu einem Leben im Bereich Design geführt haben.

Die Geschichte von Counterprint Books begann 2003, als sich Céline Leterme und Jon Dowling an der Buckinghamshire University in England kennenlernten. Beide studierten Grafikdesign und Werbung – Jon mit Schwerpunkt Illustration, Céline mit einer stillen Leidenschaft für Typografie. Jon erinnert sich: „Irgendwie fanden diese beiden Disziplinen zusammen, und wir begannen, für den Rest unseres Studiums gemeinsam Bücher zu gestalten. Unsere Wochenenden verbrachten wir in der MAGMA-Buchhandlung in London, stöberten durch die Regale und ließen uns inspirieren.“

Auf Reisen nach Belgien und in die Niederlande – Célines Heimat – durchstreiften sie Antiquariate in Antwerpen und Gent. Céline erinnert sich: „Wir suchten nach alten Ausgaben von Graphis, nach Typografiekatalogen und Büchern über niederländische Designer wie Wim Crouwel oder Ben Bos. Diese älteren Arbeiten haben uns sehr inspiriert. Man konnte darin Denkweisen erkennen, die noch immer relevant waren – und doch in Vergessenheit geraten sind.“

„Wir nahmen die Bücher mit nach London, und unsere Designerkollegen fragten: ‚Wo habt ihr das gefunden?‘ und ‚Ich brauche auch ein Exemplar.‘ Eines Tages, 2008, saßen Jon und ich zusammen im Pub und kamen auf die Idee, zurückzufahren, weitere interessante Bücher zu kaufen, sie zu fotografieren und online anzubieten. So entstand Counterprint. Von da an nahm alles seinen Lauf.“

Bei Counterprint ging es nie um Wiederverkaufswerte. Es war die Faszination für den Charme alter Bücher – und die Frage, warum sie die Zeit überdauert haben –, die die Suche so reizvoll machte. Jon meinte: „Vielleicht sind es die Materialien, der leicht staubige Geruch, die Vorfreude auf das, was man darin findet.“ Céline stimmte zu: „Menschen blicken gern zurück auf das, was in der Vergangenheit entstanden ist, und entdecken darin etwas, das heute sonst nirgendwo mehr zu sehen ist.“

Gute Gestaltung ist zeitlos. Konsistenz und Klarheit sind unabhängig von Trends. Diese Prinzipien wurden für Céline und Jon zur Grundlage, als sie begannen, eigene Bücher zu entwickeln. Das geschah jedoch nicht über Nacht. Zunächst war es ein Wochenendprojekt, dann eine freiberufliche Nebenarbeit. Céline erklärt: „Wenn wir Logos oder Buchcover entwarfen, gingen wir Stapel von alten Büchern durch und markierten alles, was uns gefiel, mit Post-its. Dieser Stapel wurde zu unserer Inspiration. Es hatte etwas sehr Reizvolles, eine visuelle Sprache zu entdecken, die von der Modernisierung unberührt geblieben war.“

Jon und Céline zu Hause

Beim Besuch des belgischen Designers Paul Ibou sagte er ihnen, dass ein Buchcover eine einfache Entsprechung seines Inhalts sein sollte. Céline bestätigt: „Ich mag Cover mit guter Typografie und kräftiger Farbe. Sie sollten hervorstechen und dazu einladen, sie in die Hand zu nehmen.“ Jon nickt: „Das klingt selbstverständlich, aber als wir uns seine Cover ansahen, wurde deutlich, wie präzise er deren Inhalt verdeutlicht hat. Das haben wir für unsere Counterprint-Publikationen von Anfang an übernommen.“

Lächelnd sagt Jon: „Wir haben uns Zeit gelassen.“ Der Wendepunkt auf dem Weg vom festen Job hin zum eigenen, noch jungen Unternehmen kam, als sie merkten, dass gerade ihre eigenen Publikationen auf das größte Interesse stießen. „Wir dachten: Vielleicht ist das eigentlich das Interessanteste, was wir machen. Und dann kam der Lockdown – für uns ein unerwarteter Karriere-Hochpunkt. Plötzlich hatten die Menschen Zeit und wandten sich wieder ihren Hobbys zu. Und neben Fahrrädern, Welpen und Heimwerkerbedarf stieg auch die Nachfrage nach Büchern stark an. Die Zahl unserer Follower in den sozialen Medien von Counterpoint wuchs. Alle waren hungrig nach Inspiration.“

Céline nickt: „Es war eine sehr intensive Zeit. Plötzlich hatten die Menschen Geld übrig, das sie ausgeben konnten. Täglich gingen mehr Bestellungen ein. Der Postbetrieb lief weiter, also stellten wir die Pakete zur Abholung vor die Tür. Für uns blieb alles in Bewegung.“

Vorbereitung einer Bestellung für den Versand

Die Faustregel von Counterprint ist denkbar einfach: Sie verkaufen nur Bücher, die sie lieben. Jon erklärt: „Am Anfang, als die Mittel knapp waren, kauften wir nur Bücher, die wir auch selbst gern behalten hätten, falls sie sich nicht über unsere Website verkauften. Und obwohl wir heute Hunderte Titel anbieten, gilt dieses Prinzip noch immer. Ich glaube, unsere Büchersammlungen sind sehr persönlich. Wie an den Jahresringen eines Baumes kann man an ihnen ablesen, was uns über die Jahre inspiriert hat. Sie erzählen von früheren Begegnungen, von Geschenken von Freunden oder von signierten Ausgaben, die uns besonders viel bedeuten.“ Jon gibt zu, dass es ihm schwerfällt, ein beschädigtes Buch zu entsorgen. „Allein das Wort lässt mich zusammenzucken. Es klingt, als würde man es töten.“ Für Céline sind Bücher Erinnerungsstücke: „Wenn ich meine Regale betrachte, erinnern sie mich an bestimmte Phasen meines Lebens oder an Orte, die ich besucht habe. Manchmal weiß ich noch genau, in welchem Laden ich sie gefunden habe.“

„Es bereitet uns täglich Freude, all die Farben in unseren Regalen zu sehen. Und das Geniale daran ist, dass wir das System bei einem Umzug einfach woanders neu aufbauen können.“

Die Entscheidung für das Regalsystem 606 war eine Folge ihrer wachsenden Büchersammlung – und des Bewusstseins, dass sie eine entsprechend belastbare Lösung brauchten. Gesucht war etwas Solides, vor allem aber etwas, das sich anpassen lässt. Mit einem Lächeln sagt Céline: „Als alles ankam, sorgfältig in Kartons verpackt, haben wir es selbst aufgebaut. Es war sehr befriedigend zu sehen, wie alles zusammenkam.“ Dass sich unterschiedlichste Formate – von Monografien bis zu großformatigen Bildbänden – mühelos unterbringen lassen, erwies sich als großer Vorteil. Die Regale sind heute das Rückgrat des Counterprint-Studios: Hier werden die eigenen Publikationen gezeigt, Fundstücke aufbewahrt und neue Materialien aufgenommen. Céline sagt: „Es bereitet uns täglich Freude, all die Farben in unseren Regalen zu sehen. Und das Geniale daran ist, dass wir das System bei einem Umzug einfach woanders neu aufbauen können.“

Auf die Frage, wie sie ihre Kreativität bewahren, antwortet Jon: „Wir sind Design-Enthusiasten. Unsere Begeisterung geht so weit, dass wir wohl auch dann etwas Ähnliches machen würden, wenn wir im Lotto gewönnen. Ich empfinde Stolz, wenn ich die Bücher sehe, die wir gemacht haben – oder wenn uns zufriedene Kunden schreiben. Dann habe ich das Gefühl, genau das zu tun, was ich tun sollte.“ Céline sagt: „Unsere Geschäftsräume wie auch unser Zuhause sind voll mit den Arbeiten der Gestalterinnen und Gestalter, die wir veröffentlicht haben. Sie alle erzählen Geschichten. Und ich freue mich darauf, diese Räume mit weiteren Erinnerungen zu füllen.“ Für Counterprint sind Bücher wie alte Freunde – und Céline und Jon verstehen es, sich mit ihnen zu umgeben.

Counterprint Books